Turnier in Jena

Vor etwa einem halben Jahr, als der Turnierkalender fürs neue Jahr bekanntgegeben wurde, war es für die Queerschläger geradezu eine Selbstverständlichkeit, zum traditionellen Volleyballturnier nach Jena zu fahren. Allein die geografische Nähe dieser Stadt zu Chemnitz und die fast geradlinige Autobahn dazwischen entkräfteten jedes Argument, dass eine Reise dorthin in irgendeiner Form unbillig sei. Es ist ja tatsächlich nur ein Katzensprung. Zudem hatte seit Gründung des SV Queerschläger hier eine Reihe von Spielern eine warme Obhut gefunden, deren Wurzeln in Jena und bei dem SV Paradiesvögel zu finden sind. Um einen Höflichkeitsbesuch kam man damit nicht umhin, und so wurde bedenkenlos eine Mannschaft fürs dortige Turnier gemeldet.
A5-queer_d600Sechs Spieler waren schnell gefunden, die unseren Verein im Spielniveau C vertreten sollten. Doch je näher der Spieltag rückte, desto bedrohlicher begann die Liste der Chemnitzer Mitspieler zu wanken. Wenige Tage vor dem Anpfiff stellte der erste seine Teilnahme infrage, wegen eines Wehwehchens am Knie. Der zweite bekam es an der Schulter, der nächste am Fuß und die verbliebenen drei fast am Kopf. Denn am Vortag des Turniers war wieder völlig unklar, in welcher Mannschaftsstärke wir fahren würden. Jedes Mal dasselbe Theater!
Beim Turnier waren wir schließlich zu siebent. Siehe da! In unserem Spielniveau gab es noch fünf weitere Mannschaften, gegen zwei von denen wir in einer Vorrunde bestehen mussten. Der Zeitplan war straff, unser war das erste Spiel, es blieb kaum Zeit, sich vorher am üppigen Frühstücksbuffet zu laben, alte Freunde zu begrüßen oder die müden Muskeln zu erwärmen. Unser Gegner, die Jungs von den Paradiesvögeln aus Jena, warteten schon auf dem Spielfeld. Es ging los. Mit besonnenen und präzisen Spielzügen sammelten wir die ersten Punkte, der Kontrahent wehrte sich nur kümmerlich. Schläft er noch? Eher vermittelte er den Eindruck eines Kaninchens, das in Schockstarre dem Python beim Fressen zuschaut. Das war unsere Chance und wir nutzten sie prächtig! Haushoher Satzgewinn! Im zweiten Satz gerieten wir anfangs in Rückstand, unser Gegner war erwacht. Doch selbst das war zu keiner Zeit bedrohlich, denn wir konnten noch eine Schippe zulegen und schließlich unseren ersten Sieg feiern. Die halbe Miete war jetzt schon rein!
Das zweite Spiel der Vorrunde war deutlich schwerer, der technisch viel versiertere Gegner „Skyhawks“ drängte uns sofort in die Defensive. Doch auch uns gelangen immer wieder sehenswerte Spielzüge, die offenbar auch das gegnerische Team beeindruckten und unser Selbstvertrauen beflügelten. Unbeirrt sammelten wir die Punkte, konnten den Rückstand schließlich ausgleichen und dem Widersacher kurz vor der Ziellinie den sicher geglaubten Sieg entreißen. Halleluja, das harte Training hat sich gelohnt! Auch der zweite Satz begann vielversprechend. Die ersten Punkte waren unser, die Moral des Gegners schien geknackt. Bis zu einem eigenen Fehler und dem darauf folgenden Aufschlag der Gastgeber. Der Aufschlag war gut, landete zielgenau in unserem Feld. Der nächste und der dritte ebenso. Unser Team fand einfach keine Antwort auf die Aufschläge eines jungen Mannes, der nun wie vom Teufel beseelt uns einen nach dem anderen Ball um die Ohren pfefferte. Das kann er doch nicht machen! Erst nachdem er seiner Mannschaft ein ganzes Dutzend Punkte beschert hatte, konnten wir seinem Treiben ein Ende bereiten. Doch da war es schon zu spät, die verbleibende Zeit war zu knapp, diese Scharte wieder auszumerzen. Aber es ist ja keine Schande, sich mit einem ebenbürtigen Gegner die Punkte zu teilen, wir waren damit der Zweitplatzierte in unserer Vorrunde und mussten im Halbfinale mit dem Erstplatzierten der zweiten Gruppe die Kräfte messen.
Und das war ein ganz anderes Kaliber. Ein ganz anderes Niveau. Nach eigenem Bekunden waren sich die sechs wohltrainierten Burschen aus Jena bei der Anmeldung unsicher, in welches Spielniveau man sich einschreiben sollte. Man war ja das erste Mal dabei und kannte den Maßstab nicht. Hinter vorgehaltener Hand wurde jedoch gemunkelt, dass sie sich nur die Schmach ersparen wollten, womöglich gegen eine schwule Mannschaft zu verlieren und somit das niedrigere Niveau gewählt hatten. Wie dem auch sei, sie spielten extrem gut, ließen uns lediglich mitspielen und eine Reihe von Punkten sammeln. Doch selbst im Vollbesitz unserer Kräfte hätten wir keine Chance auf den Sieg gehabt. Mit dieser Niederlage blieb uns noch die Hoffnung auf den dritten Platz, die wir mit einem Triumph in unserem letzten Spiel erfüllen konnten.
Den Gegner kannten wir bereits aus der Vorrunde, es war die Mannschaft mit dem teuflisch guten Angeber. Wir wussten auch, dass wir diese Mannschaft knacken konnten und machten uns unverzüglich ans Werk. Beide Sätze waren von vorn bis hinten ausgeglichen, die Führung wechselte einige Male hin und her und war zum Satzende jeweils bei uns. Und darauf kommt es ja an.
Damit hatten wir den dritten Platz in einem hochkarätigen Wettkampf errungen. Den Paradiesvögeln als Organisator sei an dieser Stelle für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung gedankt, eine besonders lobende Erwähnung verdient nochmals die üppige Verköstigung am Spielfeldrand. Lediglich unser traditionelles vereinsinternes Hickhack im Vorfeld wirft einen kleinen Schatten auf das ansonsten tadellose Turnier. Nächstes Jahr kommen wir gern wieder.
Frank M.

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5 Responses to Turnier in Jena

  1. DrKU says:

    Herr M., Fuss oder Knie?

  2. FW says:

    Glückwunsch an Sascha und Bex, die mit ihren Mannschaften im Level B den 1. und 2. Platz geholt haben. Und nicht zu vergessen Speedy Peety 🙂 mit Platz 4 in C.

  3. Frank M. says:

    Vielleicht hat es ja lustig geklungen, aber die anfangs genannten Verletzungen waren echt. Keine faulen Ausreden. Wir haben die Zähne zusammengebissen und gekämpft. Mit den Schmerzen und unseren Gegnern. Danke nochmal jedem Queerschläger für die Teilnahme und die fantastischen Spiele, die trotzdem dabei rausgekommen sind.

  4. Günther, Uwe says:

    hallo, ich kann dem sehr guten Rückblick zur Turnierteilnahme von Frank M. nur zustimmen. Diese Hin und Her um die Teilnahme an einem Turnier ist leider mittlerweile symtomatisch. LEIDER !!!

  5. marco says:

    Ach naja.
    Ich habe wohl vergleichsweise ruhig und zufrieden geschlafen. War eine tolle Mannschaft in angemessenem Level mit super Ergebnis. Nach meiner Anmeldung bereits im Februar, habe ich den Rest einfach dem Teamcaptain überlassen, der es aus meiner Sicht gut gelöst hat.
    Ich rate zum Nachahmen.

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